Rezension: Mark Rashid, Pferde suchen einen Freund

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Rezension: Mark Rashid, Pferde suchen einen Freund

Beitrag  abdulhazred am Di Okt 19, 2010 7:58 am

Mark Rashid, Pferde suchen einen Freund... denn Pferde brauchen Sicherheit. 238pp. Stuttgart: Kosmos, 2010.

Vorweg: Wie man vom englischen Titel „Horsemanship through Life“ auf den deutschen Titel kommt, ist mir ein Rätsel. Vor allem, wenn Rashid im Vorwort erklärt, warum er den englischen Titel wählte; um nämlich zu zeigen, wie sich die Einstellung, die mit Natural Horsemanship einhergeht, auf das gesamte Leben, nicht nur hinsichtlich des Umgangs mit Pferden, auswirkt. Tatsächlich bin ich hier versucht zu sagen, dass dann auch der englische Titel nicht so passend ist, es müsste vielleicht tatsächlich „Aikido through Life“ heißen – dann würden aber keine Pferdeleute das Buch kaufen, und das wäre sehr schade. ;-)

Alle von Rashids Büchern sind ja immer schon eine Mischung aus Biographie und Ratgeber gewesen. Durch aneinandergereihte Episoden aus seinen Erfahrungen als Pferdetrainer bekam man zwar kein Lehrbuch, aber jede Menge Tips, die man auf den eigenen Umgang mit den eigenen Pferden umlegen konnte.
Dieses Buch macht noch einmal einen großen Schritt hin zur Biographie und weg vom Ratgeber. Und doch habe ich aus diesem Buch am allermeisten von allen mitgenommen.
Es geht nicht um Techniken, es geht nicht um Pferdekorrektur, es geht fast ausschließlich um Persönlichkeitsentwicklung und Einstellung gegenüber den Pferden. Dabei scheut Rashid – eher ungewöhnlich in der Welt der Pferdetrainer! – nicht davor zurück, seine eigenen Prinzipien aus früheren Büchern (z.B. das Prinzip, das Erwünschte angenehm und das Unerwünschte unangenehm zu machen) zwar nicht gleich vollständig über Bord zu werfen, aber immerhin in Frage zu stellen.

Das Buch beginnt mit einem Tiefpunkt in Rashids Leben, den er sehr ehrlich und ungeschönt beschreibt: Wie er sich im Alltagstrott des Pferdetrainings verlor, eigene körperliche Probleme überging, nicht mehr genug auf die Pferde hörte und das Training immer stereotyper gestaltete... bis es zu einem Unfall kommt, der ihm die Augen öffnet und ihn dann – durch eine Zufallsbekanntschaft – zu Aikido bringt. Die Einstellung, die er beim Aikido lernt, scheint alles zu verändern und wird von Rashid direkt und erfolgreich auf das Pferdetraining umgelegt. Rückblenden auf seine Jugend in der Lehre des „alten Mannes“ dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Dieses Buch ist philosophischer und irgendwie privater als die bisherigen. Ungeschönt zeigt Rashid einen Tiefpunkt in seinem Leben und wie er sich daraus wieder aufrappelt. Das ist sympathisch und gibt all denen Hoffnung, die derlei Tiefpunkte zur Genüge kennen – also allen Pferdebesitzern ;-). Es gibt jede Menge Anregungen zum Nachdenken und Anstöße, die eigene Einstellung zu überdenken und vielleicht manches aus anderem Blickwinkel zu betrachten.
Und auch wenn man nicht unbedingt Aikido betreiben muss, um etwas aus dem Buch mitzunehmen, könnte ich mir vorstellen, dass der Prozentsatz der Pferdebesitzer unter den Aikido-Schülern seit Erscheinen des Buches ganz schön gestiegen ist ;-).

Auch in meinem Blog: http://blogging-buffalo-bill.blogspot.com/2010/10/rezension-mark-rashid-pferde-suchen.html

abdulhazred

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