Angelika Schulten: Pferde lieben reicht nicht! Pferdeverstand einschalten – Fehler vermeiden. Mit Tipps der alten Meister.

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Angelika Schulten: Pferde lieben reicht nicht! Pferdeverstand einschalten – Fehler vermeiden. Mit Tipps der alten Meister.

Beitrag  abdulhazred am Mo Sep 06, 2010 2:05 pm

Angelika Schulten: Pferde lieben reicht nicht! Pferdeverstand einschalten – Fehler vermeiden. Mit Tipps der alten Meister. Norderstedt: Books on Demand, 2009. 164pp.

Oje!
Das dachte ich bei Lektüre der Einleitung. Nach jedem Satz ein Rufzeichen, nach wichtigen Sätze doppelte Rufzeichen (die für mich in einem seriösen Buch gar nichts zu suchen haben), und nach jedem Satz – auch wenn der Gedankengang weitergeht – ein doppelzeiliger Absatz. Anstrengend zu lesen, dachte ich.
So blieb es leider auch.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich ja noch recht gut, es erweckt den Eindruck, dass es einen roten Faden gäbe. Da dann aber viele der Kapitel themenmäßig an ihrer Überschrift nur knapp vorbeischrammen oder das Thema überhaupt verfehlen (im Kapitel über die Sprache des Pferdes geht es plötzlich ausschließlich über die Sinne und deren Vermögen – was zwar natürlich mit der Sprache zu tun hat, aber über die Sprache selbst findet sich dann nichts mehr), geht der rote Faden im Text selbst für den Leser (zumindest für mich) verloren. Manche Kapitel, über die man eigene Bücher schreiben könnte, werden in einigen Zeilen abgehandelt (die Ausführungen zur „Lernbereitschaft“ passen auf eine halbe Seite, die dann plötzlich nur von „artgerechter Haltung“ handelt – worüber man aber auch mehr als eine halbe Seite schreiben könnte). Die gebotenen Informationen wirken einfach unvollständig und unwillkürlich zusammengesucht.
Was mich weiters besonders gestört hat sind die verallgemeinernden Formulierungen, die völlig außer Acht lassen, dass es mehr als eine Reitweise gibt. „Man tut“, „man nimmt“, „man geht“, „man sagt“ oder z.B. (p. 162) „auch beim Schulterherein macht die Lektion auf der rechten Hand mehr Probleme“ (sagt das mal bitte wer meinem Pferd???). Daneben finden sich unglückliche Formulierungen, die teilweise einfach herzig-amüsant sind wie „Der Heckmotor sitzt hinten“ (p. 7), teilweise aber auch einfach einen falschen Eindruck erwecken, wie z.B. „Im Schritt sind im ersten Ausbildungsjahr jeglicher Hilfszügel und jegliches Ausbinden verboten“ (p. 95 - schön wärs!). Dinge werden in einem einzigen Satz als Fakten dargestellt, über die die Experten der Reiterwelt bücherweise diskutieren.

Kommen wir nun zu den auf dem Cover beworbenen „alten Meistern“. Wenn man sich auf diese stützt, sollte man vielleicht irgendwo formulieren, wen man unter „alte Meister“ zählt und warum. Zitiert werden soweit ich sehen kann nur 1) Xenophon, 2) de la Guérinière und 3) Oliveira. Mehr konnte ich nicht entdecken (Literaturangaben leider auch Fehlanzeige). Warum ausgerechnet diese drei – nicht erklärt.
Die Zitate passen manchmal zum Thema – manchmal aber auch nicht wirklich. Wer zitiert wird, ist manchmal angegeben – manchmal aber auch gar nicht (da steht dann: „Zitat: blablablabla“. Punkt. Keine Angabe, welcher der 3 großen alten Meister das jetzt war). WO die Zitate her sind, wird sowieso kein einziges Mal angegeben – nicht einmal ein einziges Werk der „alten Meister“ wird erwähnt.

Es bleibt inhaltlich einfach völlig unklar, was die Autorin eigentlich bezweckt. Sie streift jedes Thema, behandelt sogar das Fahren, aber nichts davon ausführlich genug, als dass man etwas damit anfangen könnte. Für einen Anfänger viel zu unstrukturiert und unausführlich, für einen Fortgeschrittenen keinerlei neue Informationen. Für Kinder zu trocken. Insgesamt wirkte das Buch auf mich wie das etwas ausgebaute Referat für die Schule einer vielleicht 16jährigen Pferdebegeisterten, zusammenrecherchiert aus Internet und ein paar Pferdebüchern.

Nun gibt es genügend andere Bücher, die ihren fehlenden Inhalt mit hübschen Fotos und ansprechendem Layout wettmachen. Das ist hier aber auch nicht passiert; das Layout ist in den 80ern des letzten Jahrhunderts steckengeblieben. Sichtbar verpixelte Bilder und Zeichnungen sind einem Buch auch eher… naja.

Mein Fazit: Sehr bemüht, keine Frage. Aber: Ein bisschen Pferdewissen reicht nicht (um ein Buch zu schreiben).

Das alles gibt selbstverständlich nur meinen persönlichen Eindruck wieder. Nix für ungut!

abdulhazred

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