Robert M. Miller: Natural Horsemanship Explained.

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Robert M. Miller: Natural Horsemanship Explained.

Beitrag  abdulhazred am Do Sep 02, 2010 10:12 am

Robert M. Miller: Natural Horsemanship Explained. From Heart to Hands. Guilford: Lyons Press, 2007. 186pp.

Robert M. Miller ist Veterinärmediziner, der eng mit diversen Horsemen zusammenarbeitet und die Bewegung der „Natural Horsemanship Revolution“ (wie er es selbst nennt und wie auch der Titel eines weiteren Buches von ihm ist - welches ich leider noch nicht kenne) seit ihrem Beginn unterstützt.

In diesem Buch reiht er locker Kapitel um Kapitel aneinander, um dem Leser einen Eindruck zu geben, worum es in Natural Horsemanship geht und wodurch sie dieses v.a. von anderen Umgangsmethoden mit Pferden unterscheidet. Den größten Unterschied ortet Miller darin, dass NH mit dem kleinstmöglichen Signal beginnt, um dieses zu verstärken, bis die gewünschte Reaktion eintritt – während andere Methoden gleich mit dem stärksten Signal beginnen.

Die angewandten Methoden, die Miller selbst noch von Horsemen gelehrt wurde, scheinen für uns Europäer – zumindest für mich – eher absurd und höchstens aus Filmen bekannt. Ich denke nicht, dass es in Europa selbst vor Jahrhunderten in großem Stil üblich war, Pferde umzuwerfen, um sie danach einzureiten. Millers selbst erlebte Erfahrungen derartiger Praktiken machen den „clash of cultures“ doch sehr deutlich. Besonders eingehend war ein geschilderter Fall, in dem Miller ein Pferd einreiten sollte und seinem Lehrer berichtete, es würde schlecht wenden – worauf dieser dem Pferd kurzerhand die Vorderhufe fühlig raspelt, um es zu zwingen, mehr auf der Hinterhand zu wenden. Derartige Schilderungen haben mir klar gemacht, warum NH im amerikanischen Raum als verweichlichte Methode gilt, während es im europäischen Raum umgekehrt eher als brutal (weil konsequent) verschrieen ist. Ein interessanter Aspekt.
Miller eklärt, warum die Methoden des „Werfens“ u.ä. funktionieren – ein Pferd unterwirft sich, wenn es an der Flucht gehindert wird. Einem Pferd ein Bein hochzubinden funktioniert daher besser, um es ruhig zu bekommen, als ihm z.B. eine Nasenbremse anzulegen.

In weiteren Kapiteln geht Miller auf „tools“ wie Gebisse ein, auch mit historischem Rückblick, er erklärt wie Desensibilisierung funktioniert und beschreibt kurz das „Flooding“ und „Imprint Training“ mit Fohlen, welcher Begriff von Miller geprägt wurde (das er aber, wie er betont, keineswegs erfunden hat). Auch positive und negative Verstärkung werden in einem eigenen Kapitel kurz und bündig erklärt, um falsche Verwendung dieser Begriffe auszuschließen. Dem Begriff „Feel“, geprägt von den Dorrance-Brüdern, ist ein weiteres kurzes Kapitel gewidmet.
Etwas fehl am Platz wirkt auf den ersten Blick das Kapitel mit der Überschrift „Schimpansen“; dieses beinhaltet aber eine für mich ganz interessante Erkenntnis: Während Pferde als Fluchttiere meist von einer älteren Stute angeführt werden, ist bei Schimpansen – Primaten wie wir – ein junges Männchen der Anführer, der seine Dominanz durch Aggression zeigt. Ich denke diese interessante Beobachtung könnte eine Erklärung liefern, warum es uns Menschen so schwer fällt, Dominanz von Aggression zu trennen.

Wie erwähnt, werden die – durchgehend sehr kurzen – Kapitel lose aneinandergereiht, einen roten Faden gibt es nicht wirklich. Manche der Kapitel haben auch nicht unbedingt viel mit NH zu tun. Abgesehen von den erwähnten kleinen interessanten Aspekten wird das Buch für jemanden, der sich bereits etwas für NH interessiert hat, nicht viel Neues bieten. Dennoch ein lesenswertes Buch, denn Miller schreibt leicht lesbares Englisch und gibt einen deutlichen Einblick in die amerikanische colt-breaking-„Kultur“, die vielen Europäern wohl nicht bewusst ist.

(Rezension aus meinem Blog: http://blogging-buffalo-bill.blogspot.com/2010/08/rezension-rm-miller-natural.html )

abdulhazred

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