Distanzreiten: Nancy Loving

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Distanzreiten: Nancy Loving

Beitrag  babara am So Aug 08, 2010 10:24 am

Folgende Bücher geben einen sehr guten Ein- bzw. Überblick:

Nancy Loving: Distanzsport: Marathon unter dem Sattel
Rezension:
Schon vor ein paar Jahren empfahl mir der einst so erfolgreiche Distanzreiter Frank Mechelhoff das amerikanische Buch non Nancy S. Loving als ultimatives Buch über unseren Sport. Nach langer Ankündigung ist das Buch endlich auch auf Deutsch erschienen.

Der Titel der Originalausgabe war etwas aussagekräftiger: "Go the distance - the complete resource for endurance horses"
Die deutsche Übersetzung liest sich natürlich erheblich einfacher...

Umfassend werden in dem Buch die wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Teilnahme an Distanzwettbewerben über viele Jahre besprochen.

Im Kapitel über die Auswahl eines geeigneten Pferdes lernt man viel über die Bedeutung des Exterieures. Das ist natürlich auch auf das eigene Pferd bezogen sehr aufschlussreich und hilft Schwächen und Stärken zu erkennen.

Es folgt ein Kapitel über sinnvolle und notwendige Ausrüstung. Die Beschreibung der verschiedensten Ausrüstungsgegenstände für Pferd und Reiter ist kurz und prägnant.

Das "Goldstück" des Buches ist für mich persönlich das Kapitel über die Hufpflege beim Athleten Pferd: sehr anschaulich zeigt N. Loving die negativen Auswirkungen der oft zu langen Zehen am Pferdehuf. (long toe, low heel syndrome) In meinen Augen werden hier noch zu viele Fehler gemacht. Mit einfachen Mitteln könnte man bei vielen Pferden viel erreichen.
Genauso kompetent werden auch die Hufbalance, korrekter Beschlag mit verschiedenen Eisenformen sowie alternative Beschläge erörtert. Maßgeblich für einen Beschlag ist das Pferd, seine Hufform und Bewegung, wie und in welchem Gelände es eingesetzt wird. Pauschalempfehlungen gibt es nicht. (außer der einen - auf die kurze Zehe zu achten!)

In dem etwas kuren Kapitel über die Ernährung werden die Zusammenhänge zwischen Futter und Metabolismus deutlich und gut verständlich erklärt. Auch Bilder zur Beurteilung des Futterzustandes fehlen nicht. (nicht nur in diesem Kapitel)

Den größten Teil des Buches nimmt das Thema Training ein, auf das N. Loving unter verschiedenen Aspekten eingeht. Dabei geht es der Autorin nicht um kurzfristige Erfolge. Ihr Ideal ist ein Pferd, dass lange Jahre gesund an Distanzrennen teilnehmen kann. (Die Vorbilder von über 17000 km Lebensleistung dürften bei den begrenzten deutschen Verhältnissen schwer zu knacken sein - von Ausnahmen (B. Fichtel) abgesehen)
Aspekte des Trainings sind auch das Alter und die Aufzucht des Pferdes. Neben Trainingsarten werden auch die biologischen Grundlagen wie verschiedene Muskelfasertypen und Muskelstoffwechsel (Milchsäure) gut erklärt.
Die Bedeutung eines durchlässigen, rund gehenden Pferdes wird ebenso angesprochen wie Dehn- und Stretchübungen.
Bei allem wissenswerten Hintergrund bleibt das hauptsächliche Training jedoch: Reiten, reiten, reiten.... und zwar im Gelände.
Ein eigenes Kapitel ist der Arbeit mit Pulsmessgeräten und anderen Hilfsmitteln zur Überwachung der Fitness gewidmet, wobei der Hinweis nicht fehlt, dass ein Pulsmessgerät eben kein "Tacho" ist. Auch das Phänomen und die Gefahr des Übertrainierens wird angesprochen.

Viel Platz räumt N. Loving auch dem Kühlen (oder auch wärmen) des Pferdes im Training und beim Wettbewerb ein. Auch hier kann viel falsch gemacht werden. Nahtlos ist der Übergang zu dem wichtigen Kapitel über die Gesundheit des Pferdes, wobei die metabolischen Probleme viel Platz einnehmen. Nach der Lektüre dieses Kapitels wird mancher Reiter eine TA Untersuchung mit anderen Augen sehen und auch Entscheidungen leichter akzeptieren! Hier habe ich die erste wirklich schlüssige Erklärung des Ridgeway Testes gelesen.

Sehr nützlich ist auch das kurze Kapitel über den Transport des Pferdes - wobei es in Amerika natürlich um andere Entfernungen geht. Aber trotzdem!

Für Einsteiger dürfte die Beschreibung eines Rittablaufes hilfreich sein, auch wenn ein Ritt nach amerikanischem Vorbild beschrieben ist. D.h. der Ablauf in der Pause entspricht einem Vet Gate. Spielchen mit dem "niedrigsten Pulswert" wie sie bei unseren Einsteigerritten stattfinden, kommen nicht vor.
Aber für (fast) jeden tempofreien Ritt bei uns ist die Beschreibung der Abläufe sehr gut zu gebrauchen.

Ein Kapitel über häufig gemachte Fehler beim Distanzritt rundet dieses aufschlussreiche Buch ab.

Das Buch ist reich bebildert und mit deutlichen Zeichnungen illustriert. Die deutschen Übersetzung wurde um einige aktuelle Bilder (deutscher Reiter), eine Illustration und Beschreibung einer neuen VDD Check Karte sowie ein (sehr knapp geratenes) Vorwort der Präsidentin des VDD, Dr. Juliette Mallison, erweitert.

Fazit: ein Buch das gut zu lesen ist und viel Hintergrundwissen vermittelt. Man merkt dass die Autorin Dr. med. vet. ist.
Im Mittelpunkt steht der Partner Pferd und dessen Wohlergehen.
Das Buch sollte Pflichtlektüre sein - nicht nur für Distanzreiter!

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babara

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