"Ein Pferd spricht" - Zaungespräche

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"Ein Pferd spricht" - Zaungespräche

Beitrag  Anne.Schmatelka am Di Okt 16, 2012 6:52 am

„Ein Pferd spricht“


Ich hatte die Möglichkeit „Ein Pferd spricht“ schon im Entwurf zu lesen und habe mich köstlich amüsiert.
Wer die Autorin Anne Schmatelka kennt, den ein oder anderen ihrer Artikel oder auch das Buch „Über den Rücken“ (erschienen im Cadmos Verlag Februar 2011) gelesen hat, kann sich vorstellen, dass die Hauptfigur des Buches, das fünf Jahre alte, angehende Dressurpferd Pampi – von Pampers der Windel – auf amüsante Weise über die Reiterei philosophiert.
Manchmal ein bisschen ironisch oder auch ein wenig bissig, gepaart mit viel Wahrheit, macht sich Pampi über die Entwicklung in der Reiterei seine Gedanken und hinterfragt die Dinge auf naiv kritisch Weise.
Ob es sich dabei um die Ausbildung und Entwicklung junger Pferde, um die ständig aus dem Boden schießenden neuen Reitlehren handelt oder ob es um die unterschiedlichen Gruppierungen wie die „Rollkurvereinigung“, die „Schlaufzügelfraktion“ oder auch die „Liegestuhlvertreter“ geht, zu allen Be-reichen in der Reiterei hat Pampi seine Überlegungen angestellt. Er macht Aussagen, die zum nach-denken anregen, einen aber auch schmunzeln lassen. Es ist eine kurzweilige und gelungene Ge-schichte, versehen mit Zeichnungen und Karikaturen, die zu den jeweiligen Kapiteln dieses Taschen-buches wunderbar passen.


Im Folgenden ein Auszug über die Vielseitigkeitsreiter, die von Pampi auch Buschis genannt werden…

„Ruby unser alter Rentner-Wallach sagt, die Buschis wären die Vielseitigkeits- oder Militarypferde. Die wären so vielseitig, dass die alles könnten. Sie könnten Dressur machen. Die könnten aber auch einen Parcours springen, ins Gelände gehen und würden hier und da über eine große Bürste springen.
Wir haben ja auch Bürsten zu Hause. Welche mit roten und welche mit schwarzen Borsten. Ich finde aber, die sind gar nicht so groß. Mir ist auch nicht ganz klar, warum man darüber springen muss. Es reicht ja, wenn man die mit dem Huf weg kickt oder wenn man drüber steigt, dazu muss man ja nicht springen?!
„Wenn Buschreiten so abwechslungsreich ist, dann wäre das doch auch was für mich“, habe ich zu Ruby gesagt. „Dressur lerne ich gerade, ins Gelände kann ich auch schon gehen und das Springen geht bestimmt auch, wenn man das übt“.
Da hat Ruby mich ausgelacht! Er meinte, dass ich erstens zu dick und zweitens zu groß sei. Drittens hätte ich eine viel zu aufwendige Übersetzung und viertens wäre ich zu unwendig. Und wenn ich so springen würde wie meine Mutter, na dann prost Mahlzeit.
Ich fand diese Aussage eigentlich nicht sehr nett. Ich habe danach auch nicht mehr gefragt. Ich war ziemlich sauer. So ein bisschen durchs Gelände latschen und über eine Bürste springen. Was für ein Quatsch. Das kann doch jeder und warum muss ich deshalb abnehmen? So dick bin ich ja nun auch nicht. Und die runde Rippe, die habe ich von meiner Mutter geerbt. Das ist nicht alles Fett. Außerdem, das muss der gerade sagen mit seiner Wohlstandswampe…
Wir haben das dann nicht mehr weiter besprochen. Also, dumm anmachen muss er mich nicht!
In der letzten Woche waren Tante Waldi, der Schwarzwälder Kaltblut aus der Nachbarschaft, und ich wie immer im Gelände. Dieses Mal war das aber auch ziemlich aufregend. Wir haben Buschis gesehen. Die waren am Trainieren. Erst sind die viele Runden durch den Wald galoppiert, so auf einer großen Strecke, dann wurde Dressur geübt. Das sah schon sehr merkwürdig aus. Die haben ja gar keinen Schwung und strampeln taten die auch nicht (mehr?). Die waren auch ziemlich dünn, man hat sogar teilweise die Rippen gesehen und wenig Hals hatten die auch, fand ich. Ob die auf Diät waren?
Hilde sagt, dass Buschis meist viel Blut hätten.
Mein Gott, dass Pferde auch noch unterschiedlich viel Blut haben. Von was das wohl abhängt? Ob ich dann viel weniger Blut habe und das obwohl ich viel größer bin als die – oder eher viel mehr? Oder ob die so mickerig ausgesehen haben, weil die so viel Blut haben. Vielleicht haben die dann nicht mehr so viel Platz in ihrem Körper für Fleisch und so. Lauter offene Fragen und wie immer keine Antworten. Ich habe dann Tante Waldi gefragt, die war ja wie gesagt mit im Busch.
Sie wusste das auch nicht. Sie sagt nur, sie denkt, sie wäre für einen Buschi auch nicht geeignet. Ob sie jetzt als Schwarzwälder mehr oder weniger Blut besitzen würde, das konnte sie auch nicht sagen. Ich habe dann geäußert, dass ich Ruby später fragen würde und ihr das dann das nächste Mal erzählen könnte. Ruby wüsste das nämlich bestimmt. Der weiß ja sonst immer alles.
Dann kamen wir in die Nähe von so einem eingezäunten Platz. Da waren lauter große Hindernisse aus Holz. Sogar dicke Baumstämme, dann tiefe Löcher und eines hieß Pulvermannsgrab. Was das wohl wieder bedeuten sollte? Wie kann man denn in einen Parcours ein Grab einbauen?
Jedenfalls machte mir das alles ziemlich Angst. Oh mein Gott, da drüber, also nee. Also beim besten Willen nicht. Ich bin ja schon groß, aber so was war dann doch nichts für mich. Vor allem, was, wenn das Grab ’ne Bedeutung hat. So nach dem Motto: Die dies nicht schaffen, können sich hier gleich beerdigen lassen. Also das muss man ja nicht ausprobieren. Man muss ja nicht immer überall dabei sein.
Hilde war vor Jahren mal in Badminton gewesen und hatte Eventing gesehen. Das ist wohl das, was wir hier Vielseitigkeit nennen. Da waren Hindernisse, die waren noch fast doppelt so hoch wie die hier. Sie sagt, die hätten eine Bürste gehabt, die wäre fast zwei Meter hoch gewesen. Wie man die wohl bewegt? Also das Ding mit der Bürste verfolgt einen ja schon.
Da das Tor offen war, haben wir uns den Platz einmal genauer angesehen und sind überall herum geritten. Irgendwann kamen wir zu so einem komischen Ding, da waren oben lauter Äste drin und das sah aus wie ein ganz breiter Besen ohne Stil. Oder besser noch…
… wie eine Bürste. Das war sie also, die besagte Bürste. Meine Güte. Wie hoch und wie groß.

Jetzt wusste ich abschließend, dass ich kein Buschi würde werden wollen. Da käme ich ja nie lebend drüber! Und jetzt war mir auch klar, was Ruby mit der Wendigkeit meinte. Ich würde da vermutlich bei vielen Sachen gar nicht durch passen und wenn man sich die Knochen haut?
Oh nein, dann werde ich lieber Dressurpferd und hoffe, dass ich da länger lebe.
Außerdem steht wenigstens kein Grab auf dem Reitplatz…“

Viel Spaß beim Lesen!


Ein Pferd spricht ist im United-pc Verlag erschienen. ISBN 978-385040527-0

Anne.Schmatelka

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