Rezension: Bill Dorrance, True Horsemanship Through Feel.

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Rezension: Bill Dorrance, True Horsemanship Through Feel.

Beitrag  abdulhazred am Fr Nov 04, 2011 1:37 pm

Bill Dorrance: True Horsemanship Through Feel. 2nd Edition. Verlag Pryons, 2007. 384pp. € 23,85.


Dieses Buch bekommt von mir 6 (von maximal 5 *g*) Sterne! Sollte man als Horsemanshipler wirklich gelesen haben.

Der Inhalt ist gewaltig, teilweise sehr theoretisch, aber auch oft mit praktischen Übungen versehen, die mit zahlreichen Fotos und Fotoserien untermauert sind. Das Hauptthema "Feel" ist nicht leicht in Worte zu fassen. Trotzdem schafft Bill Dorrance es, dass man am Schluss beim Zuklappen des Buches eine gewisse Vorstellung davon hat, was er damit meint. Und durch die Anleitungen zu den praktischen Übungen auch tatsächlich auch die Idee, wie man es vielleicht erreichen kann.
Prinzipiell verstehe ich - von meinem Parelli-Hintergrund aus gesehen - Bill Dorrance's "Feel" als das perfekte Porcupine Game. Bill arbeitet offenbar viel mehr mit stetem, feinem Kontakt, weniger mit Driving Games (diese werden nur kurz erwähnt und sammeln sich offenbar unter dem Begriff "indirect feel").
Nach allgemeinen theoretischen Überlegungen zum "feel" kommt man mit Kapitel 4 dann zum praktischen Teil. Bill erklärt die Grundübungen: Kopf senken, Hals biegen, Führen, Rückwärtsrichten. Alles ist detailiert beschrieben, gut nachzumachen. Detailiertest auch die Beschreibung des Aufzäumens - wie man das Gebiss ins Pferdemaul kriegt, nimmt ca. 5 volle Seiten ein (ebenfalls reich bebildert) und hat mir z.B. extrem geholfen.
Ein weiteres Highlight ist das Kapitel zu den Fußfolgen, und da besonders zum Galoppwechsel. Das hab ich auch noch selten so schön und klar beschrieben gelesen.

Weiters gibt es ein Kapitel mit Q&A, wo zum großen Teil genau das aufgegriffen wird, was dem Leser zuvor bei der Lektüre so durch den Kopf ging.

Und was man auch nicht unterschätzen darf, ist der kommentierte Index, in dem Bill häufig vorkommende Begriffe aufgreift und noch einmal definiert, was er darunter versteht. Ich wähnte mich schon fertig mit dem Buch - "nur noch der Index" - aber der hat es noch einmal so sehr in sich, dass ich ein Monat dafür gebraucht habe.
Mehr als einen längeren Absatz oder ein Unterkapitel auf einmal konnte ich nie lesen, dazwischen musste ich immer wieder alles sacken lassen ... und das ist für mich auch recht ungewöhnlich, ich lese Bücher normalerweise in einem Zug durch, wenn sie gut sind.

Einen richtigen Schlagwortindex gibt es auch, der scheint sehr akribisch und damit hilfreich.

Schließlich noch ein Wort zur Sprache:
Das Buch gibt es m.W. nur im Original, und das ist gut so. Es wurde von Bill Dorrance gemeinsam mit Leslie Desmond geschrieben, wobei ich denke, dass sie wohl aufgeschrieben hat, was er ihr sagte. Es ist toll, dass hier nicht versucht wurde, den teilweise umgangssprachlich anmutenden Ton in irgendeiner Weise zu "bereinigen". Alles wirkt so direkt, so unmittelbar, als würde Bill Dorrance persönlich vor einem stehen und eine Konversation mit einem führen. Gleichzeitig finde ich, dass die Art, Dinge auszudrücken, eine Menge von der Persönlichkeit Bills durchblicken und einen fast zwangsläufig darüber traurig werden lässt, dass dieser so weise und dabei so bescheiden wirkende Mann nicht mehr unter uns weilt.
Die Sprache ist derart klar und eindringlich, dabei so sehr poetisch in meinem Empfinden, dass ich so manchen Absatz mehrmals gelesen hab - einfach weils so schön ist! Anfangs hatte ich mein Notizbuch neben mir liegen, um Dinge zu notieren, die ich gerne als Zitate verwenden möchte. Dann stellte sich bald heraus, dass ich von so gut wie jeder Seite zeilen- und absatzweise zitieren oder mir T-Shirts drucken lassen würde, also habe ich es aufgegeben.
Dazu passt dann auch noch der absolut letzte Abschnitt, der einige Seiten mit Gedichten oder Liedtexten umfasst.
Obwohl ich mich ewig nicht entscheiden konnte, welchen, möchte ich doch gern einen meiner Lieblings-Absätze zitieren (p. 327):

* HELPING THE HORSE: That's our main goal and through feel is how you go about this. Whatever you're trying to do is to help him. If a person approaches a horse with other ideas that do not include helping that horse, well, to my way of thinking, there's room for improvement in that. There's a place in the attitude they have about the way a horse's mind works that will make it more difficult for them to develop the better results we're talking about here in this book, I'll put it that way. No, Im in hopes that getting ghese ideas getting down in print can help them learn how to help those horses, all right. Because this is my main plan.

Fazit: Kaufen, lesen, nochmal lesen, sacken lassen und nochmal lesen ;-). Bill sitzt jetzt auf meinem Nachtkästchen und in mir der Vorsatz, jeden Abend einen Absatz zu lesen :-).

abdulhazred

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